Lesungen, Vorträge & Filme

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstlerinnen* oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autorinnen*-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referentinnen*, Künstlerinnen* und den Besucher:innen.

April 2026

09.04. Der Mut der Frauen: Rettung jüdischer Ehemänner im Holocaust

Donnerstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

VORTRAG & GESPRÄCH
mit SARAH A. BROPHY, Florida, USA, PPP-Stipendiatin Universität Leipzig

Dieser Vortrag untersucht, wie die NSDAP und das Naziregime nach 1933 mit einer der letzten verbliebenen Verbindungen zwischen jüdischen Menschen und „Ariern“ umgingen: der sogenannten Misch-Ehe. Über die weitreichenden Verbote der Nürnberger Gesetze 1935 hin-aus beleuchtet er die Einführung „privilegierter“ und „nichtprivilegierter“ Misch-Ehen, den umkämpften Status der „Mischlinge“ sowie den gesellschaftlichen Druck und Terror, durch die Paare aus der „Volksgemeinschaft“ ausgegrenzt wurden. Auf Grundlage von Gerichtsakten und Berichten Überlebender wird gezeigt, warum bestimmte Ehen – insbesondere zwischen „arischen“ Frauen und jüdischen Männern – selektiv geschützt wurden – und legt das komplexe Zusammenspiel von Rassenideologie, militärischen Erwägungen und sozialer Kontrolle offen.

SARAH A. BROPHY studierte Politikwissenschaft und Geschichte an der Florida State University. In ihrer Bachelorarbeit beschäftigte sie sich mit „Misch-Ehen im Dritten Reich“.
Eintritt: nach Selbsteinschätzung

28.04. Warum Freier (fast immer) Männer sind. Über Männlichkeit, Sexualität und Prostitution

Dienstag | 19:00 bis 21:00 Uhr

VORTRAG & DISKUSSION
mit Prof. Dr. ROLF POHL

Veranstaltet von Frauenkultur e.V. Leipzig in Kooperation mit der Gruppe Prostitutionskritik Leipzig und dem Grassi – Museum für Völker-kunde Ort: GRASSI – Museum für Völkerkunde, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig, Treff: Kassenfoyer

Eine aktuelle Anfrage zur Prostitution in Leipzig zeigt: 92,6% der nach dem Prostituiertenschutzgesetz registrierten Prostituierten sind Frauen, rund 69% von ihnen mit Migrationshintergrund. Diese Zahlen erfassen jedoch nur das behördlich bekannte Feld. Studien für Deutschland belegen außerdem: Weniger als 1% der Frauen nehmen sexuelle Dienstleistungen in Anspruch, hingegen haben über 26% der Männer schon mindestens einmal Sex gekauft. Die große Mehrheit der Freier sind also Männer.

Doch warum ist das so? Welche Vorstellungen von Männlichkeit, Weiblichkeit, Sexualität und Macht wirken hier zusammen? Und wie hängen sie mit gesellschaftlichen Normen und struktureller Ungleichheit zusammen? Aus psychoanalytischer und sozialpsychologischer Männlichkeitsforschung lässt sich zeigen, dass Prostitution ein Feld ist, in dem sich Begehren nach dem weiblichen Körper mit Feindseligkeit verschränkt. Diese Verbindung gehört zum unbewussten Fundament von Männlichkeit in hierarchisch-patriarchalen und heteronormativ geprägten Gesellschaften – und ist eine zentrale Quelle geschlechtsspezifischer Gewalt.

Zusammengefasst:
In der Prostitution drückt sich eine sexuelle Gier nach dem weiblichen Körper aus, die Sehnsucht und Feindseligkeit verbindet. Diese Mischung gehört zur unbewussten Grundausstattung von Männlichkeit in Gesellschaften mit einer nach wie vor hierarchischen und hetero-normativen Geschlechterordnung. Sie ist eine der wichtigsten Quellen geschlechtsbezogener Gewalt.

Prof. Dr. ROLF POHL, Sozialpsychologe und bis 2018 Professor am Institut für Soziologie der Universität Hannover, hat diese Dynamiken in seinem Grundlagenwerk „Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen“ untersucht. Darin zeigt er: Männlichkeit basiert oft auf der Objektifizierung von Frauen sowie der Abwehr von Weiblichkeit und Abhängigkeit von Frauen. In der käuflichen Sexualität treten diese Mechanismen besonders klar hervor, denn hier kann sich männliche Macht scheinbar widerspruchsfrei den Körper von Frauen aneignen. Mit dieser Vortrags- und Diskussionsveranstaltung wollen wir die geschlechtsspezifischen Strukturen in der Nachfrage nach Prostitution sichtbar machen – und kritisch zur Diskussion stellen.

Gruppenbeschreibung Prostitutionskritik Leipzig: Prostitutionskritik Leipzig ist eine linke Gruppe und Zusammenschluss in Leipzig zur Kritik der Prostitution und der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Prostitution hervorbringen. Wir stehen ein für Solidarität mit Betroffenen, Kampf gegen Freier und Zuhälter, gegen Patriarchat und Kapital. @prostitutionskritik_le/
Die Teilnahme ist kostenfrei.